HR steht vor Kul­tur­wan­del: Micro­soft kauft LinkedIn

Veröffentlicht am 17.06.2016
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Die Nach­richt schlug ein wie eine Bom­be: Der US-Tech-Rie­se Micro­soft kauft das Busi­nes­s­por­tal Lin­kedIn. Bumm! Mehr als 26 Mil­li­ar­den Dol­lar wech­seln den Besit­zer. Für den Tech­nik­kon­zern könn­te das der ganz gro­ße Coup sein: Für Lea­der aller Bran­chen kün­digt sich mit den damit ver­bun­de­nen tech­no­lo­gi­schen Mög­lich­kei­ten ein regel­rech­ter Kul­tur­wan­del im HR Manage­ment an.

Es ist der Big Deal von Micro­soft-Chef Sat­ya Nadel­la und der ers­te, mit dem er welt­weit für Auf­merk­sam­keit sorgt. Doch bei die­sem Big Bang will es Nadel­la, seit 2014 im Amt, erklär­ter­ma­ßen nicht belas­sen: Er will Micro­soft-Kri­ti­kern zei­gen, dass der gro­ße IT Kahn nicht die Schwer­fäl­lig­keit in punk­to Inno­va­ti­on hat, die ihm nach­ge­sagt wird, son­dern dass er wen­dig ist wie ein klei­nes Motor­boot. Was kon­kret geplant ist, ist noch unge­wiss. Doch fest steht: Die Mög­lich­kei­ten sind viel­fäl­tig und könn­ten in diver­sen Bran­chen und Unter­neh­men einen Wan­del in punk­to Recrui­t­ing und Kom­mu­ni­ka­ti­on nach sich ziehen.

HR Kul­tur­wan­del: Die Sto­ry of Success

Und das ist die Sto­ry: Lin­kedIn, der deut­lich grö­ße­re Wett­be­wer­ber des deut­schen Por­tals Xing, hat inter­na­tio­nal mehr als 433 Mil­lio­nen Kun­den und ist seit der Über­nah­me des Online-Fort­bil­dungs-Por­tals Lyn​da​.com im ver­gan­ge­nen Jahr für 1,2 Mil­li­ar­den Dol­lar auch auf dem Markt für E‑Learning aktiv. Die­se Kom­bi­na­ti­on rief Micro­soft auf den Plan. Schon län­ge­re Zeit mehr­ten sich die Gerüch­te einer Über­nah­me. Nun ist es offi­zi­ell: Der Deal ist perfekt.

In einem gera­de­zu eupho­ri­schen Brief, den Nadel­la anläss­lich der Ver­mäh­lung der bei­den IT-Gigan­ten schrieb, bezog sich der Micro­soft CEO expli­zit auf die neue App Lin­kedIns, sowie das E‑lear­ning-Por­tal Lynda.

On top lie­fert Lin­kedIn Geschäfts­nach­rich­ten an sei­ne Com­mu­ni­ty und hat ein Tool für Per­so­na­ler ent­wi­ckelt, mit dem die­se in den Mil­lio­nen von Kon­tak­ten nach pas­sen­den Kan­di­da­ten für vakan­te Posi­tio­nen suchen kön­nen. Matching nennt sich das. Es gibt also genü­gend Grün­de für Micro­soft, künf­tig mit Lin­kedIn gemein­sa­me Sache zu machen: Durch die Gemein­schaft tun sich völ­lig neue Märk­te auf.

Und so froh­lockt der agi­le Lea­der Nadel­la, der sein Unter­neh­men seit zwei Jah­ren refor­miert, denn auch: „This deal brings tog­e­ther the world’s lea­ding pro­fes­sio­nal cloud with the world’s lea­ding pro­fes­sio­nal net­work. I have been lear­ning about Lin­kedIn for some time while also reflec­ting on how net­works can tru­ly dif­fe­ren­tia­te cloud ser­vices. It’s clear to me that the Lin­kedIn team has grown a fan­tastic busi­ness and an impres­si­ve network (…).“

HR Kul­tur­wan­del: Was alles pas­sie­ren könnte…

Unter Micro­soft soll Lin­kedIn nun zu einer noch grö­ße­ren Platt­form für Geschäfts­kon­tak­te sowie geschäft­li­che Wei­ter­bil­dun­gen aus­ge­baut wer­den, wie Nadel­la am Mon­tag in einer Mit­tei­lung an sei­ne Mit­ar­bei­ter ver­kün­de­te. Micro­soft-Pro­duk­te wie die Büro­soft­ware Office 365 könn­ten mit Lin­kedIn ver­knüpft wer­den. Nadel­la wit­tert hier­in die Chan­ce „to reinvent pro­duc­ti­vi­ty and busi­ness Pro­zes­ses“ und macht auch aus­führ­lich klar, war­um das einen Kul­tur­wan­del aus­lö­sen könnte:

„Think about it: How peop­le find jobs, build skills, sell, mar­ket and get work done and ulti­mate­ly find suc­cess requi­res a con­nec­ted pro­fes­sio­nal world. It requi­res a vibrant net­work that brings tog­e­ther a professional’s infor­ma­ti­on in LinkedIn’s public net­work with the infor­ma­ti­on in Office 365 and Dyna­mics. This com­bi­na­ti­on will make it pos­si­ble for new expe­ri­en­ces such as a Lin­kedIn news­feed that ser­ves up arti­cles based on the pro­ject you are working on and Office sug­ges­ting an expert to con­nect with via Lin­kedIn to help with a task you’re try­ing to com­ple­te. As the­se expe­ri­en­ces get more intel­li­gent and delight­ful, the Lin­kedIn and Office 365 enga­ge­ment will grow. And in turn, new oppor­tu­nities will be crea­ted for mone­tiz­a­ti­on through indi­vi­du­al and orga­niz­a­ti­on sub­scrip­ti­ons and tar­ge­ted adver­ti­sing. (…) Over the past deca­de we have moved Office from a set of pro­duc­ti­vi­ty tools to a cloud ser­vice across any plat­form and device. This deal is the next step for­ward for Office 365 and Dyna­mics as they con­nect to the world’s lar­gest and most valu­able pro­fes­sio­nal net­work. In essence, we can reinvent ways to make pro­fes­sio­nals more pro­duc­ti­ve while at the same time reinven­ting sel­ling, mar­ke­ting and talent manage­ment busi­ness pro­ces­ses. I can’t wait to see what our teams dream up when we can begin working tog­e­ther once the deal clo­ses, which we expect will hap­pen this calen­dar year.“

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Kon­kre­ter wird der Micro­soft Ent­schei­der jedoch nicht. Soviel steht aber fest: Die Hoch­zeit – sie ist ein ein­ver­nehm­li­ches Unter­fa­gen. Lin­kedIn CEO Jeff Wei­ner bleibt Chef und sieht eben­so wie Nadel­la gro­ße Chan­cen mit der Ver­mäh­lung auf das Busi­ness zukom­men. Wei­ner, ein agi­ler, moder­ner Cul­tu­re and Value Lea­der, ist offen für Trans­for­ma­tio­nen und Wan­del jeg­li­cher Art. Im eige­nen Unter­neh­men lei­te­te er mit neu­en Unter­neh­mens­wer­ten bereits einen Kul­tur­wan­del ein, nun ist er offen für Größeres.

Lin­kedIn: Inter­ner Kul­tur­wan­del abgeschlossen

Sein offi­zi­el­les State­ment lau­tet: „Just as we have chan­ged the way the world con­nects to oppor­tu­ni­ty, this rela­ti­ons­hip with Micro­soft, and the com­bi­na­ti­on of their cloud and LinkedIn’s net­work, now gives us a chan­ce to also chan­ge the way the world works. For the last 13 years, we’ve been uni­que­ly posi­tio­ned to con­nect pro­fes­sio­nals to make them more pro­duc­ti­ve and suc­cess­ful, and I’m loo­king for­ward to lea­ding our team through the next chap­ter of our story.“

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Wei­ner weiß, wovon er spricht. Und er ver­steht sein Hand­werk. Er weiß, wie er Mit­ar­bei­ter durch eine nach­hal­ti­ge Cul­tu­re auf Trans­for­ma­ti­on zu unglaub­li­chen Erfol­gen anlei­tet. Dadurch mach­te er Lin­kedIn zu dem, was es heu­te ist. Wei­ner eta­blier­te ein Wer­te­sys­tem und eine Unter­neh­mens­kul­tur, die ihres­glei­chen sucht:

  1. Care­er Trans­for­ma­ti­on: Es gibt kei­ne fest vor­ge­schrie­be­ne Lauf­bahn­pla­nung, jeder Mit­ar­bei­ter wird nach sei­nen Stär­ken dort ein­ge­setzt, wo es für ihn und das Unter­neh­men am bes­ten ist. Das sorgt für Moti­va­ti­on, weil jeder genau an dem Ort arbei­tet, an den er gehört.
  2. Trans­for­ma­ti­on of Com­pa­ny: Das Unter­neh­men ist offen für neue Ideen und för­dert und lebt des­we­gen das Prin­zip der Diver­si­tät. Es gibt För­der­pro­gram­me für Frau­en in der Tech Indus­trie, gehan­di­cap­te Mit­ar­bei­ter wer­den durch ver­schie­de­ne Ange­bo­te und Pro­gram­me inte­griert, Mit­ar­bei­ter wer­den an neu­en Ideen durch regel­mä­ßi­gen Aus­tausch und Feed­back beteiligt.
  3. Trans­for­ma­ti­on oft World: Mit sei­nen Pro­duk­ten will Lin­kedIn die Welt der Kom­mu­ni­ka­ti­on Stück für Stück ver­än­dern und verbessern.

So könn­te der HR Kul­tur­wan­del kon­kret aussehen

Für Markt­be­ob­ach­ter liegt auf der Hand. Für Micro­soft könn­te der Zusam­men­schluss ein beträcht­li­cher Ruck nach vor­ne bedeu­ten. Mög­lich, dass hier sogar der klei­ne­re Part­ner dem grö­ße­ren sagen wird, wo es lang geht und wie er sei­ne Leu­te zu gro­ßen Leis­tun­gen anspor­nen kann. Was Micro­soft alles mit dem neu­en Kol­le­gen an Bord anstel­len könn­te und wie das die Busi­ness-Welt ver­än­dern könn­te, wenn die Rech­nung des Kon­zerns auf­geht? Hier ein paar Überlegungen:

  1. Big Data: Wofür Micro­soft vor allem so viel Geld hin­blät­ter­te: Daten. Hier­aus ergibt sich in Kom­bi­na­ti­on mit den Micro­soft Anwen­dun­gen ein schier uner­schöpf­li­cher Wis­sens­pool für Unter­neh­men, allem vor­an HR. Sobald der Tech-Gigant zum Bei­spiel sei­nen digi­ta­len spre­chen­den Assis­ten­ten Cor­ta­na den Zugriff auf Daten von Lin­kedIn gibt, kann der Per­so­na­ler von mor­gen ihn poten­zi­ell dazu ver­wen­den, um sich aus dem hin­zu­ge­kauf­ten Daten­pool schnell und ein­fach Infor­ma­tio­nen über Kan­di­da­ten her­aus­zu­fi­schen. Ent­we­der in Vor­be­rei­tung auf ein Inter­view oder bei der Direkt­su­che nach Talen­ten, auch bekannt als Acti­ve Sourcing. Bis­lang unter­stützt Cor­ta­na nur bei der Suche auf dem eige­nen PC, der Ver­wal­tung des Kalen­ders, der Ver­fol­gung des Ver­sand­sta­tus von Pake­ten und der Suche nach Datei­en, plau­dert mit dem Anwen­der und erzählt manch­mal sogar Wit­ze. Cor­ta­na ist schlau: Je mehr Cor­ta­na genutzt wird, des­to bes­ser kann sie ihren Anwen­der mit per­so­na­li­sier­ter Hil­fe unter­stüt­zen. Viel­leicht auch dahin­ge­hend, dass sie bald Kan­di­da­ten aus­sucht und nicht mehr der Personaler?
  2. Micro­soft plant, den Lin­kedIn News­feed in das Office 365 zu inte­grie­ren. Das heißt: Künf­tig weiß der IT-Rie­se ganz genau dar­über bescheid, was sei­ne Nut­zer inter­es­siert und kann par­al­lel ver­fol­gen, was in ihrem beruf­li­chen Netz­werk pas­siert. Für das Unter­neh­men ist die­ses Insi­der­wis­sen bares Geld wert: Es bedeu­tet, immer am Puls der Zeit zu sein, die Bedürf­nis­se der Kun­den zu ken­nen und mit opti­ma­len Pro­duk­ten dar­auf zu reagie­ren. Gleich­zei­tig dürf­te das ein har­ter Schlag für Face­book sein – wer wech­selt schließ­lich noch die Platt­form, wenn das Netz­werk beque­m­er­wei­se bereits in die täg­lich genutz­ten Anwen­dungs­pro­gram­me inte­griert ist. Das eröff­net bei­spiels­wei­se vir­tu­el­len Teams einen noch schnel­le­ren und unkom­pli­zier­te­ren Aus­tausch auf allen Ebe­nen inner­halb eines genutz­ten Anwen­dungs­pro­gramms: Sky­pe, Chat, social Net­wor­king. Per Knopf­druck kann der Kol­le­ge in die Arbeits­ses­si­on her­ein­ge­holt und der Desk­top geteilt wer­den. das wird die Arbeits­welt wie­der ein biss­chen schnel­ler machen.
  3. Die Hebel­wir­kung, die Micro­soft mit der Über­nah­me von Lin­kedIn in punk­to HRM-Soft­ware gewin­nen kann, könn­te zur erheb­li­chen Bedro­hung eta­blier­ter HR-IT-Solu­ti­ons-Anbie­ter wie SAP Suc­cess­fac­tors, Ora­cle, Cor­ner­stone-on-Demand, IBM Ken­exa und ande­ren wer­den. Mal abge­se­hen von den übli­chen Talent Manage­ment und Wei­ter­bil­dungs-Anwen­dun­gen, könn­te Micro­soft die Lin­kedIn Daten zum Bei­spiel auch dazu nut­zen, um Talent-Ent­schei­dun­gen vor­her­sag­bar machen. So etwas gibt es bereits im Klei­nen. Die Talent­such­ma­schi­ne Tal­ent­wun­der wirbt zum Bei­spiel damit, die Wech­sel­be­reit­schaft von Kan­di­da­ten berech­nen zu kön­nen. Der Vor­teil: schlägt das Tool Alarm, kann HR gegen­steu­ern und Maß­nah­men zur Talent­bin­dung ein­lei­ten. Doch Maschi­nen wie Tal­ent­wun­der müs­sen mit den öffent­lich ver­füg­ba­ren Daten aus dem Netz leben. Micro­soft ver­fügt nun über eine Men­ge exklu­siv ein­ge­kauf­ter Nut­zer-Daten, die nicht in ihrer gan­zen Band­brei­te öffent­lich zugäng­lich sind, wohl aber doch dem Inha­ber der Platt­form. Das eröff­net gigan­tisch vie­le Möglichkeiten.

HR Kul­tur­wan­del – wird Micro­soft die Chan­ce nutzen?

Ob und wie der Kon­zern all das nutzt, bleibt abzu­war­ten. Nicht sel­ten ließ Micro­soft ja auch den einen oder ande­ren Ball an sich vor­bei­zie­hen, ohne ihn in einen Match­ball zu ver­wan­deln. Nun hängt alles davon ab, wie die Ent­schei­der im Sili­con Val­ley den ein­ge­kauf­ten Heim­vor­teil umset­zen. Die Zei­chen der Zeit ste­hen jeden­falls gut. Immer wie­der beto­nen Stu­di­en, zum Bei­spiel aus dem Hau­se Kien­baum, dass HR-Tech­no­lo­gien ein erheb­li­ches Zukunfts­po­ten­zi­al haben.

Auch die Stu­die Recru­ting Trends der Uni­ver­si­tät Bam­berg kommt zu dem Schluss, dass „Unter­neh­men im Recrui­t­ing durch die geziel­te Erhe­bung und Aus­wer­tung von Kenn­zah­len posi­ti­ve Effek­te erzie­len kön­nen“, dass aber gleich­zei­tig noch viel Luft nach oben besteht:

Aus der Befra­gung der 1.000 größ­ten Unter­neh­men geht her­vor, dass nur knapp mehr als ein Drit­tel Maß­nah­men zur Erhe­bung von Pro­zess­kenn­zah­len für die Per­so­nal­be­schaf­fung defi­niert hat. Also: Nach­fra­ge und Bedarf bestehen gepaart mit einer nicht aus­rei­chen­den Abde­ckung. Spiel. Satz. Sieg. Microsoft?

Mög­li­cher­wei­se lässt sich das Fra­ge­zei­chen am Ende des letz­ten Sat­zes strei­chen! Alles sieht danach aus, als wären die Lea­der im Füh­rungs-Tan­dem gut auf­ge­stellt. Das Bei­spiel könn­te in punk­to Unter­neh­mens­Füh­rung in Zukunft weg­wei­send sein: agi­le trifft auf wert­ge­trie­be­ne Füh­rung. Dann heißt es ganz sicher: Spiel! Satz! Sieg!

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