Fra­gen & Ant­wor­ten – Ver­än­der­te Arbeits­welt durch Corona-Pandemie

Veröffentlicht am 01.10.2020
Jetzt teilen auf
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING
Share on facebook
Facebook
Share on linkedin
Share on xing
Share on facebook

7 Fra­gen und Ant­wor­ten zum The­ma Arbeitswelten

Die lang­fris­ti­gen, stra­te­gi­schen Kon­se­quen­zen der Ver­än­de­run­gen der Arbeits­welt wer­den nicht nur für Unter­neh­men, son­dern auch für die gesam­te Gesell­schaft zu wenig dis­ku­tiert. Häu­fig erge­ben sich neue Fra­gen rund um die­ses The­ma, die jedoch oft nicht ange­spro­chen oder gestellt werden.

Unab­hän­gig von der aktu­el­len Not­wen­dig­keit von Home Office, durch die Pan­de­mie, haben wir bei Con­tas schon seh viel län­ger immer wie­der dar­auf auf­merk­sam gemacht, dass Arbeits- und Lebens­wel­ten nicht getrennt betrach­tet wer­den kön­nen. Wir gin­gen und gehen sogar noch einen Schritt wei­ter und behaup­ten: Arbeitswelt(en) = Lebenswelt(en)! In eini­gen Blog­bei­trä­gen aus der Zeit vor der Coro­na Pan­de­mie, kön­nen Sie mehr zu die­ser The­ma­tik erfahren.

Wir wol­len Ihnen im fol­gen­den auf ein paar Ihrer Fra­gen Ant­wort geben und Ihnen und Ihrem Team mög­li­che Wege und Lösungs­an­sät­ze für neue Arbeits­wel­ten aufzeigen.

1. Wie sieht die neue Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on in der Zukunft aus? 

Die­se inter­es­san­te Fra­ge lässt sich nicht pau­schal für alle Beschäf­tig­ten gleich beant­wor­ten. Arbeit wird in Zukunft, je nach Auf­ga­ben­be­reich, sehr unter­schied­lich aus­se­hen. In der Indus­trie wird sich z.B. für die Mit­ar­bei­te­rin an der Mon­ta­ge­li­nie nicht so viel ändern. Hier wird wei­ter­hin Prä­senz gefragt sein und auch die Arbeit wird sich wei­ter­hin hin­sicht­lich der zeit­li­chen Tak­tung stark nach der Pro­duk­ti­on rich­ten. Den­noch wer­den wir selbst in die­sen Berei­chen star­ke Fle­xi­bi­li­sie­rungs­ten­den­zen beob­ach­ten können.

Für vie­le ande­re „Büro­tä­tig­kei­ten“ wird man in Zukunft auf ergeb­nis­ori­en­tier­te­re Steue­rung set­zen. Wann und wo eine Arbeits­auf­ga­be erle­digt wird, wird immer unwich­ti­ger und dem­nach von den Mitarbeiter*innen frei wähl­bar sein. Zumin­dest dann, wenn dies recht­zei­tig und in aus­rei­chen­der Qua­li­tät geschieht. Je mehr unse­re Arbeits­auf­ga­ben aber Schnitt­stel­len zu ande­ren Auf­ga­ben haben, des­to kom­ple­xer wird die Abstim­mung. Hier kön­nen dann jedoch unter­stüt­zen­de Soft­ware­lö­sun­gen helfen.

Quel­le: Eige­ne Text­be­ar­bei­tung, Free Image von https://​unsplash​.com

2. Wie kann man Home­of­fice und Arbeits­schutz zusammenbringen?

Der Situa­ti­on geschul­det, dass von heu­te auf mor­gen vie­le Mit­ar­bei­ten­de durch Coro­na ins Home­of­fice geschickt wur­den, ist das The­ma Arbeits­schutz bis­her zu kurz gekom­men. Auch wenn es durch Covid 19 in eini­gen Berei­chen still gewor­den ist, hat das Arbeits­schutz­ge­setz mit all sei­nen zusätz­li­chen Ver­ord­nun­gen kei­ne Ver­schnauf­pau­se ein­ge­legt und gilt weiterhin.

Doch Nur ein klei­ner Teil von Mit­ar­bei­ten­den hat­te Zugriff auf einen vor­ab ein­ge­rich­te­ten Tele­ar­beits­platz, der allen Maß­ga­ben der Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung und des Arbeits­schutz­ge­set­zes gerecht wird. Wenn Unter­neh­men nun das The­ma Home­of­fice unter dem Label „Smart Work“ oder „Mobi­le Work“ vor­an­trei­ben und Büro­flä­chen im gro­ßen Stil abbau­en, müs­sen all die­se The­men aber mit­ge­dacht wer­den. Mitarbeiter*innen wer­den zuhau­se lang­fris­tig nur dann pro­duk­tiv sein, wenn sie dort in allen Belan­gen gut aus­ge­stat­te­te Arbeits­plät­ze zur Ver­fü­gung haben. Es muss im Inter­es­se der Unter­neh­men sein, die Mit­ar­bei­ten­den dabei finan­zi­ell zu unter­stüt­zen. Räum­lich wird dies nicht immer gehen, dann kom­men Kon­zep­te wie dezen­tra­le­re Co-Working-Arbeits­plät­ze in Frage.


Exkurs: Arbeits­schutz­ge­setz

Bei­spie­le für Verordnungen

Das Arbeits­schutz­ge­setz wur­de auf Grund­la­ge von EU-Richt­li­ni­en zum Arbeits­schutz umge­setzt. In Kraft getre­ten ist das der­zei­ti­ge Arbeits­schutz­ge­setz (Arb­SchG) in Deutsch­land am 21. August 1996. Das Gesetz zum Arbeits­schutz in Deutsch­land bil­det die recht­li­che Grund­la­ge für den Arbeits­schutz. In die­sem sind alle Maß­nah­men zusam­men­ge­fasst, um die Beschäf­tig­ten vor arbeits­be­ding­ten Gesund­heits- und Sicher­heits­ge­fähr­dun­gen zu schüt­zen. Dar­über hin­aus hat der Arbeits­schutz das Ziel, die Arbeit men­schen­ge­recht zu gestalten.

Durch das Arbeits­schutz­ge­setz wird der Arbeit­ge­ber dazu ver­pflich­tet, Gesund­heits­ge­fähr­dun­gen am Arbeits­platz zu beur­tei­len und über not­wen­di­ge Schutz­maß­nah­men zu ent­schei­den. In regel­mä­ßi­gen Abstän­den muss der Arbeit­ge­ber die Beschäf­tig­ten zum Arbeits­schutz beleh­ren. Des Wei­te­ren muss er laut Arb­SchG Vor­keh­run­gen für beson­ders gefähr­li­che Arbeits­be­rei­che und Arbeits­si­tua­tio­nen treffen.

Neben dem Gesetz gibt es eini­ge Ver­ord­nun­gen. Im Gegen­satz zu Geset­zen wer­den Ver­ord­nun­gen von der aus­füh­ren­den Gewalt, durch die Ver­wal­tung, erlas­sen. Die Grund­la­ge für eine Ver­ord­nung ist eine durch ein förm­li­ches Gesetz erteil­te Ermäch­ti­gung. Bei­spie­le für ent­spre­chen­de Verordnungen:


3. Wie kann die Tren­nung zwi­schen Arbeit und Frei­zeit im Home­of­fice erhal­ten werden?

Für uns ist die Arbeits­welt ein Teil der Lebens­welt Das heißt man darf die bei­den Wel­ten nicht getrennt von­ein­an­der betrach­ten. Das heißt jedoch nicht, das man Arbeit und Frei­zeit nicht von ein­an­der tren­nen darf/​soll/​kann! Im Gegen­teil. Wir wis­sen aus der For­schung seit lan­gem, dass Men­schen unter­schied­li­che Seg­menta­ti­ons­prä­fe­ren­zen haben. Es gibt die Inte­grie­rer, die wol­len Arbeit und Frei­zeit gar nicht fix tren­nen, son­dern kom­men mit Über­lap­pun­gen gut zurecht. Die­je­ni­gen aber, die Arbeit und Frei­zeit strikt tren­nen wol­len, haben durch das Home­of­fice zunächst ein Pro­blem. Die Arbeit ist meist sicht­bar und immer in der Nähe. Soweit es eben nur geht, soll­te man hier Tren­nun­gen her­bei­füh­ren: Die Arbeit, wenn vor­han­den, in ein rei­nes Arbeits­zim­mer aus­la­gern, sich selbst kla­re Arbeits­zei­ten geben, mobi­le Gerä­te wegen der Erreich­bar­keit nach der erle­dig­ten Arbeit aus­schal­ten und aus dem Weg räu­men, Pau­sen als Erho­lung von der Arbeit gestal­ten, usw.

4. Wie sieht Füh­rung künf­tig aus und was muss sich ändern? 

Vie­le Füh­rungs­kräf­te haben auch schon bis­her ver­teil­te Teams geführt, ohne die­se per­ma­nent zu sehen. Schon vor zehn Jah­ren setz­ten zwei Drit­tel der inter­na­tio­na­len Unter­neh­men vir­tu­el­le Teams ein. Für ande­re Füh­rungs­kräf­te ist dies aber neu. Ins­ge­samt wird also das The­ma „Füh­rung aus Distanz“ deut­lich wich­ti­ger. Füh­rungs­kräf­te soll­ten dar­auf ach­ten, dass sich ihre Mitarbeiter*innen auch im vir­tu­el­len Raum gleich­be­rech­tigt füh­len, dass die Ziel­set­zung von Anfang an klar ist, dass eine posi­ti­ve Atmo­sphä­re herrscht und Ver­trau­en auf­ge­baut wird. Es ist auch dar­auf zu ach­ten, dass bei den Mit­ar­bei­ten­den aus­rei­chen­de Tech­nik­kom­pe­ten­zen und ‑affi­ni­tä­ten vor­lie­gen. Aus der For­schung wis­sen wir zudem, dass nach Pha­sen der rei­nen „Remo­te-Kom­mu­ni­ka­ti­on“ auch wie­der Face-to-Face-Tref­fen und Kon­flikt­lö­sun­gen not­wen­dig sind, um die Effek­ti­vi­tät von vir­tu­el­len Teams zu stei­gern. Eini­ge Forscher*innen gehen davon aus, dass Füh­rung aus Distanz „inspi­rie­ren­de“ Füh­rungs­kräf­te benötigt.

5. Was sind die Vor­tei­le von Home Office?

Vor­tei­le erge­ben sich auf bei­den Sei­ten, beim Unter­neh­men und bei den Mit­ar­bei­ten­den. Unter­neh­men pro­fi­tie­ren durch die Ein­spa­rung von Büro­ar­beits­plät­zen, durch die teils höhe­re Pro­duk­ti­vi­tät von Mit­ar­bei­ten­den und dadurch, dass sie mit dem Ange­bot von Home­of­fice als attrak­ti­ver Arbeit­ge­ber wahr­ge­nom­men wer­den. Mit­ar­bei­ten­de kön­nen durch das Home­of­fice Pri­vat- und Berufs­le­ben meist bes­ser ver­ein­ba­ren und spa­ren sich ins­be­son­de­re die täg­li­chen Pen­del­zei­ten in die Arbeit.

Nicht alle Arbeits­grup­pen und Beschäf­tig­te pro­fi­tiert glei­cher­ma­ßen von der neu­en digi­ta­le­ren Arbeits­wei­se. Vor allem bes­ser­ver­die­nen­de Mit­ar­bei­ten­de mit unstruk­tu­rier­ten und krea­ti­ven Tätig­kei­ten, die dadurch hohe Frei­heits­gra­de erlan­gen und ihre Arbeit zeit­lich und ört­lich hoch fle­xi­bel erle­di­gen kön­nen, ohne dabei über­wacht zu wer­den, und die auf­grund ihres Ein­kom­mens eine ent­spre­chen­de Infra­struk­tur für das digi­ta­le Arbei­ten her­stel­len kön­nen pro­fi­tie­ren in der Regel am meis­ten. Dar­an sieht man aber lei­der auch, dass Home­of­fice auch wei­ter für vie­le ande­re Berufs­grup­pen (z.B. indus­tri­el­le Fer­ti­gung, per­so­nen­be­zo­ge­ne Dienst­leis­tun­gen) nicht mög­lich sein wird. Es zeich­net sich hier eine gewis­se Zwei­tei­lung der Arbeits­ge­sell­schaft ab, womit wir bereits zur nächs­ten Fra­ge nach den Nach­tei­len im Home Office kommen.

6. Was sind die Nach­tei­le von Home Office?

In den aktu­el­len Stu­di­en sehen wir, dass der grö­ße­re Teil der Mit­ar­bei­ten­den mit Home­of­fice zufrie­den ist. Trotz­dem müs­sen wir die Nach­tei­le und Her­aus­for­de­run­gen im Blick behal­ten. Eine Gefahr ist die sozia­le Iso­la­ti­on, die Mit­ar­bei­ten­de ver­spü­ren können.

Arbeit ist ein zen­tra­ler sinn­stif­ten­der Teil des Lebens und Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen sind wich­ti­ge sozia­le Bezugs­punk­te für vie­le Men­schen. Aus dem Home­of­fice fällt aber gera­de der infor­mel­le, sozia­le Kon­takt schwer. Zudem gibt es Mit­ar­bei­ten­de, für die das Home­of­fice sehr belas­tend ist, da die räum­li­che Infra­struk­tur nicht gege­ben oder auch die tech­ni­sche Aus­stat­tung unzu­rei­chend ist. Je nach Art der Auf­ga­ben, die man zu bewäl­ti­gen hat, wird es auch im Home­of­fice schwe­rer sein, Füh­rungs­kräf­te von der eige­nen Leis­tung zu überzeugen.
Ande­re Mit­ar­bei­ten­de wer­den dage­gen über Soft­ware­lö­sun­gen klein­tei­lig leis­tungs­über­wacht, es kommt zu einem soge­nann­ten digi­ta­len Tay­lo­ris­mus, der lang­fris­tig nicht moti­vie­rend sein wird.

Ein wei­te­rer Nach­teil ist die bereits erwähn­te Zwei­tei­lung der Arbeits­ge­sell­schaft, die durch Home Office ent­ste­hen kann. Weil die Mach­bar­keit und schließ­lich auch die Umset­zung sehr stark von Arbeit, Berufs­grup­pe, Unter­neh­men, Arbeitgeber*in und auch von den jewei­li­gen Füh­rungs­kräf­ten abhän­gig ist und in vie­len Berufs­grup­pen sogar gar nicht erst mög­lich ist. Für die­ses Pro­blem der Zwei­tei­lung der Arbeits­ge­sell­schaft müs­sen wir alle und die Poli­tik nach Lösun­gen suchen.

7. Wird es ein Zurück zur Prä­senz­kul­tur geben oder wird Arbei­ten aus dem Home­of­fice zur neu­en Normalität?

Home­of­fice wird nicht mehr als Aus­nah­me emp­fun­den wer­den und somit Teil einer neu­en Nor­ma­li­tät. Wir wer­den aber gleich­zei­ti­ge ande­re Arbeits­kon­zep­te, wie z.B. Co-Working-Spaces, sehen, und auch die Rück­kehr in das Büro und an ande­re Arbeits­stät­ten wird par­al­lel statt­fin­den, denn ganz auf per­sön­li­chen Aus­tausch wer­den wir nicht ver­zich­ten kön­nen. Die Arbeits­welt wird somit noch etwas dif­fe­ren­zier­ter aus­se­hen als bis­her. Man könn­te auch dar­über spe­ku­lie­ren, dass es in eini­gen Berufs­fel­dern immer weni­ger Ange­stell­te gibt, son­dern statt­des­sen die Arbeit von Solo-Selbst­stän­di­gen erle­digt wird.
Denn das Zuge­hö­rig­keits­ge­fühl zum Unter­neh­men wird durch Home­of­fice schlei­chend abgebaut.

Jetzt teilen auf
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING
Share on facebook
Facebook
Share on linkedin
Share on xing
Share on facebook

Wir entwickeln Menschen und gestalten Organisationen zukunftsfähig. Seit 2000.

Ihr persönlicher Ansprechpartner:
Roald Muspach
CEO der CONTAS KG

Weitere Themen aus unserem LeadGreen®-Blog