Pip­pi Lang­strumpf: Was Inno­va­to­ren von ihr ler­nen können

Veröffentlicht am 30.08.2016
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Vor über 70 Jah­ren erblick­te Pip­pi Lang­strumpf „das Licht der Welt“. Für Genera­tio­nen von Kin­dern taug­te Astrid Lind­grens Kin­der­buch-Hel­din zum Vor­bild. Heu­te sind ihre „Weis­hei­ten“ aktu­el­ler denn je. Nicht nur für den Nach­wuchs. Für Inno­va­to­ren. Mana­ger. Lea­der. CEO’s eben­so. Was sie von dem fre­chen Mäd­chen aus der Vil­la Kun­ter­bunt ler­nen können…

Pip­pi goes Management

Ein klei­nes Mäd­chen mit abste­hen­den Zöp­fen: Das ist Pip­pi Lang­strumpf. Anfang der 40er Jah­re dach­te sich Kin­der­buch­au­torin Astrid Lind­gren die Titel­hel­din der tur­bu­len­ten Geschich­te rund um die Vil­la Kun­ter­bunt, das Geschwis­ter­paar Tom­my und Anni­ka, den klei­nen Affen Herr Niels­son und den Fle­cken­schim­mel Klei­ner Onkel aus. In den Sech­zi­ger­jah­ren wur­de der Roman ver­filmt. Buch und Film – bei­des Welt­erfol­ge.

Nicht ohne Grund. Denn die Geschich­ten leben von einer zeit­lo­sen Lebens­klug­heit, die nicht nur für Kin­der inter­es­sant ist. Pip­pi Lang­strumpf ist der per­so­ni­fi­zier­te Bruch mit den Kon­ven­tio­nen: Sie zieht sich anders an, sieht anders aus, denkt anders, han­delt anders, ohne Angst vor Rück­schlä­gen. Sie sieht die Din­ge nicht nur schwarz oder weiß, son­dern auch die Töne dazwi­schen. Dabei ent­deckt sie immer wie­der Neu­es.

Alle­samt Eigen­schaf­ten, die moder­ne Lea­der heu­te eben­falls auf sich ver­ei­nen soll­ten. Denn in der Wirt­schaft geht es um nichts ande­res als das Ent­de­cken von Neu­em. Wer Erfolg haben will, muss lie­fern: Und zwar immer­zu neue, bis­her noch nicht da gewe­se­ne Ideen. Nie war der Kon­kur­renz­druck so stark, nie waren Märk­te stär­ker umkämpft. Nur durch eine nicht nach­las­sen­de Inno­va­ti­ons­dich­te kön­nen sich Unter­neh­men heu­te noch behaup­ten, wol­len sie nicht von der Kon­kur­renz ein­ver­leibt wer­den. Und das geschieht schnel­ler als je zuvor.

Pip­pi Lang­strumpf: Lehr­meis­te­rin für moder­ne Leader

Was dem aller­dings im Wege steht: Vie­le Mana­ger kön­nen nicht von den star­ren und lang­wie­ri­gen und ver­krus­te­ten Hier­ar­chien und Ritua­len las­sen, die einst vom Estab­lish­ment geprägt wur­den. Sie sind wie Pip­pis Freun­de Tom­my und Anni­ka: Regel­kon­form, immer artig, stets adrett und ange­passt, dem Mot­to fol­gend „das macht man nicht, das haben wir noch nie so gemacht“. Doch das ist nicht der gedank­li­che Stoff, aus dem Inno­va­tio­nen sind.

Bes­ser wär’s, sie näh­men sich ein Bei­spiel an Pip­pi, die dage­gen hält: “Das haben wir noch nie pro­biert, also geht es sicher gut.” Und sie behält Recht. Immer. Alles, was sie anpackt, wird zum Erfolg. Nur ist das Ergeb­nis vor­her eben nie abseh­bar. Anni­ka und Tom­my macht die­se Unsi­cher­heit und Unvor­her­seh­bar­keit Angst.

Lea­dern auch. Die alten Struk­tu­ren dage­gen ver­spre­chen dage­gen Sicher­heit:

  • kla­re Vorgaben
  • kla­re Entscheidungsrichtlinien
  • Infor­ma­ti­ons­fluss von oben nach unten
  • Ange­passt­heit bis unter die Haarspitzen

Bloß kein Abwei­chen von Plä­nen. Wer weiß, was dann geschieht? Wür­den sie Pip­pi fra­gen, sie hät­te die pas­sen­de Ant­wort: „Viel­leicht etwas Gutes.“. Aber kei­ner fragt sie.

Mana­ger: Hört aufs inne­re Kind

Schon des­halb, weil vie­le Mana­ger zu beschäf­tigt mit dem Abar­bei­ten von Lis­ten, Erstel­len von Prä­sen­ta­tio­nen und dem Prä­sen­tie­ren der Prä­sen­ta­tio­nen sind. Hin­zu kommt aus­ge­präg­tes Mee­ting-Hop­ping. Da bleibt kei­ne Zeit, sich mit den Ideen eines klei­nen Mäd­chens aus­ein­an­der zu set­zen, das stell­ver­tre­tend für das eige­ne inne­re Kind steht. Kaum einer ent­fes­selt es, lässt ihm frei­en Lauf.

Das ist es aber letzt­lich, was den Inno­va­tor vom rei­nen Len­ker unter­schei­det. „Think dif­fe­rent“ haben sich die gro­ßen Play­er unse­rer Zeit auf die Fah­nen geschrie­ben und nichts ande­res getan, als dem eige­nen inne­ren Kind eine Chan­ce zu geben. Sie lei­ten ihre Leu­te an, es ihnen gleich zu tun. Jeder soll sei­ne eige­ne Pip­pi wie­der ent­de­cken und sie aus ihrem Dorn­rös­chen­schlaf wecken.

In Mana­ger­sprech klingt das dann so:

  • Ent­le­di­ge dich alter Zöp­fe und Denkmuster
  • Den­ke bewusst über das Mach­ba­re hinaus
  • Den­ke vie­les an, set­ze davon um, was umsetz­bar ist
  • Ver­su­che dei­nen Visio­nen bei der Umset­zung in die Rea­li­tät so aber nahe wie mög­lich zu kommen

Her­aus aus einem sol­chen Krea­tiv­pro­zess, der in Fach­krei­sen unter Design Thin­king fir­miert, kommt im Ide­al­fall ein inno­va­ti­ves Pro­dukt, das mög­li­cher­wei­se nicht in der glei­chen Qua­li­tät ent­stan­den wäre, hät­te man die gedank­li­chen Höhen­flü­ge nicht zugelassen.

Pip­pi ist Sachen­su­che­rin, Mana­ger soll­ten es auch werden

Lea­der, Ange­stell­te, gan­ze Orga­ni­sa­tio­nen soll­ten daher zu Sachen­su­chern wer­den, wie Pip­pi es aus­drü­cken wür­de. Und sie kennt sich damit aus. Pip­pi ist selbst „Sachen­su­che­rin“. Als ihr Freund Tom­my wis­sen will, was das sein soll, ant­wor­tet sie:

„Jemand, der Sachen fin­det. Was soll es ande­res sein? Die gan­ze Welt ist voll von Sachen, und es ist wirk­lich nötig, dass jemand sie fin­det. Und das gera­de, das tun die Sachensucher.“ 

Auch Inno­va­tio­nen sind längst da, sie müs­sen nur ent­deckt wer­den: Denn meist ent­ste­hen Inno­va­tio­nen nicht aus etwas noch nicht da gewe­se­nen. Das ist eher sel­ten. Meist ent­ste­hen sie aus der Per­fek­tio­nie­rung des bereits Bestehen­den. Und genau dazu müs­sen Lea­der ihre Mit­ar­bei­ter befähigen.

Pip­pi lie­fert den Stoff für Innovationen

Zum Bei­spiel, indem sie ihren Ideen ernst­haft Gehör schen­ken und ein Umfeld schaf­fen, dass Busi­ness Expe­ri­men­te ermög­licht. Zum einen müs­sen die dafür nöti­gen tech­ni­schen Gerät­schaf­ten vor­han­den sein, zum ande­ren geht es aber auch um nichts gerin­ge­res als den Fak­tor Zeit.

Ein Mit­ar­bei­ter, der nur mit dem Abar­bei­ten sei­ner Tasks beschäf­tigt ist, wird kaum inno­va­tiv sein. Dafür muss ihm das Unter­neh­men erst mal Frei­räu­me geben: Zeit also, die nicht ver­plant ist. Das fällt vie­len schwer. Doch „faul sein ist wun­der­schön!“, hat Pip­pi bereits vor Jahr­zehn­ten erkannt. Denn meist ent­ste­hen in Momen­ten ohne Plan neue Gedan­ken oder Begeg­nun­gen.

Wer also nor­ma­ler­wei­se von einem Ter­min zum nächs­ten hetzt, soll­te sich bewusst Momen­te des Nichts­tuns erlau­ben. Wer weiß schon, was dar­aus ent­steht? Das sah auch Astrid Lind­gren auch so:

„Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, ein­fach dazu­sit­zen und vor sich hin zu schauen.“

Und wenn Unter­neh­mens­len­ker das nicht beher­zi­gen? Nun, es spricht auch für Arbeit­neh­mer nichts dage­gen, eine ent­spre­chen­de Anre­gung zu plat­zie­ren. „War­te nicht dar­auf, dass die Men­schen Dich anlä­cheln. Zei­ge ihnen, wie es geht“, riet Pip­pi Tom­my und Anni­ka einmal.

Pip­pi sagt: Ergreift Initiative

Recht hat sie! Davon kön­nen sich Arbeit­neh­mer eine Schei­be abschnei­den: Nur wer selbst die Initia­ti­ve ergreift, kann sich selbst und sein Unter­neh­men vor­an­brin­gen. Lei­der blei­ben vie­le jedoch beim Bekla­gen des Sta­tus Quo ste­hen. Doch damit wer­den sie nichts bewe­gen oder gar ändern können.

Sich Frei­räu­me zu schaf­fen, offen für Neu­es zu sein, beinhal­tet im über­tra­ge­nen Sin­ne aber auch, offen für ande­re Kul­tu­ren, Eth­ni­en, Geschlech­ter und Gesin­nun­gen zu sein. Das kann aber nicht ver­ord­net, son­dern muss gelebt werden.

Oft­mals brin­gen bunt gemisch­te Teams viel krea­ti­ve­re Ansät­ze her­vor als Kol­le­gen aus ein und dem­sel­ben Kul­tur­kreis. Stu­di­en bele­gen das. Unter­schied­li­che Ein­flüs­se kön­nen also auch ein Trei­ber für Inno­va­tio­nen sein.

Pip­pi lebt Vielfalt

Auch das leb­te Pip­pi vor: Rote Haa­re, außer­ge­wöhn­li­cher Name, komi­sche Kla­mot­ten. Pip­pi zeigt allen, dass anders sein nichts Nega­ti­ves ist, solan­ge man selbst­be­wusst damit umgeht. So schläft sie mit den Füßen auf dem Kopf­kis­sen und dem Kopf unter der Decke und erklärt: „So schla­fen sie in Gua­te­ma­la. Das ist die ein­zig rich­ti­ge Art zu schla­fen. Und so kann ich auch mit den Zehen wackeln, wenn ich schlafe.“ 

Was Inno­va­to­ren dar­aus ler­nen kön­nen? Ganz ein­fach: Frei­heit im Den­ken bedeu­tet, für frem­de Ein­flüs­se offen zu sein, viel­leicht ver­bes­sert sich ja eini­ges dadurch. Und: Teams kön­nen noch so unter­schied­lich sein und den­noch har­mo­nie­ren, wenn sie für­ein­an­der offen sind.

Fazit: Wer wie Pip­pi spon­ta­ne Ideen, das krea­ti­ve Cha­os und die Macht der Fan­ta­sie in sei­nem Unter­neh­men för­dert, kann also bewir­ken, dass schein­bar Unmög­li­ches in die Tat umge­setzt wird. Dazu muss er aber selbst sein inne­res Kind wie­der zum Vor­schein brin­gen: Denn „alles, was an Gro­ßem in der Welt geschah, voll­zog sich zuerst in der Fan­ta­sie eines Men­schen“, merk­te Astrid Lind­gren einst an. Und davon haben Kin­der reich­lich. Wei­se, sehr wei­se, gera­de­zu innovativ.

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